Bergfried
Fälschlicherweise oft auch Burgfried genannt. Definition:Hauptturm einer Burg. Die frühen Burgen besaßen keinen zentralen Turm. Schon im frühen 11. Jahrhundert verfügten die Burgen im sächsisch-thüringischen Raum über einen Bergfried, während er in West- und südwestdeutschen Raum erst im 12. Jahrhundert aufkam. Die Bergfriede des 11. und frühen 12.Jahrhunderts, die noch sowohl Wehr- als auch Wohnfunktionen hatten, wurden aus mächtigen Quadern errichtet und bildeten den alles überragenden wehrhaften Mittelpunkt der Burganlage. Ursprung: Der Ausdruck "Bergfried" bezog sich zunächst auf alle hohen und starken Türme, die zu einer mittelalterlichen Burg gehörten. Auch Warten, Mauertürme und Belagerungstürme konnten als Bergfried bezeichnet werden. Erst 1837 wurde der Begriff durch Professor Leo ausschließlich auf den Hauptturm der Burg bezogen und seitdem allgemein in diesem engeren Sinn gebraucht. Der Ursprung des Wortes Bergfried (berchfrid, berfried, perfrit, belfrid) ist umstritten. Die älteste bekannte Bedeutung ist: "hölzerner Belagerungsturm". Mit "berg" oder "verbergen" hat der Name nichts zu tun. Die heutige Bedeutung hat sich wahrscheinlich im Mittelalter durch volks-etymologische Annäherung an das mittelhochdeutsche berc ( Berg) und vride (Schutz, Sicherheit) entwickelt, obwohl es etymologisch damit nicht in Zusammenhang gebracht werden kann. Von der Mitte des 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts gehörte der Bergfried zum festen Bestandteil nahezu aller deutschen Burgen. Zahlreiche kleinere Burgen, vor allem die Felsenburgen, besaßen überhaupt keinen Bergfried (Magenheim/Württemberg). Andere Burgen hatten aufgrund ihrer Besitzverhältnisse gleich zwei Türme (Hohandlau im Elsaß, Burg Rötteln bei Basel, Burg Prozelten am Main, Burg Neipperg bei Heilbronn, Burg Thurand an der Mosel, Burg Saaleck und Burg Münzenberg in der Wetterau. Die Burg Brandenburg in Thüringen verfügte sogar über zwei wehrhafte Türme und einen Wohnturm). Funktion: Der Bergfried, das Symbol der Burg schlechthin, versinnbildlicht die herrschaftliche Macht und den wirtschaftlichen Reichtum seines Erbauers. Die Lage der Burg an markanten Punkten außerhalb der Ortschaften hob die Burg aus der Masse der anderen Wohnstätten heraus und führte der übrigen Bevölkerung die herausgehobene Stellung des Burgherrn plastisch vor Augen. Von weitem schon sichtbar ist der mächtige Bergfried ein unübersehbarer Beweis für die Wehrhaftigkeit der Burg. Anfangs wurde mancher Bergfried gleichermaßen als Wehr- und Wohnturm genutzt. Mitte des 12. Jahrhunderts verlagerte sich der Wohnbereich in den Palas. Der Bergfried wurde nicht mehr bewohnt. Er diente als höchstes Gebäude der Burg als Ausguck und Beobachtungsturm. Von dort konnte der Burgherr weite Teile des Innenraumes der Burg und das Haupttor bzw. die Hauptangriffsseite beobachten. Von der Spitze aus ließen sich die Verteidigungsaktionen koordinieren. In den Kampf eingreifen konnte man vom Bergfried kaum. Fehlende Fenster und Schießscharten sowie der hohe Eingang machten eine aktive Kriegsführung unmöglich. Allenfalls von der Wehrplattform aus konnte man in das Kampfgeschehen eingreifen. Die militärische Bedeutung des Bergfrieds lag in einem anderen Bereich. Als wehrhaftester Teil der Burg war er letzter Rückzugsort der Verteidiger. War der Feind in die Burg eingedrungen war, galt diese erst als erobert, wenn auch der Turm eingenommen war und der letzte Verteidiger sich ergeben hatte.