Armbrust
Seit ungefähr 1200 erlebte die schon im Altertum bekannte, aber im Frühmittelalter in Vergessenheit geratene Armbrust eine Renaissance. Der Name der mittelalterlichen Schußwaffe geht auf das mittelhochdeutsche armbrust zurück, das im 12. Jahrhundert durch volksetymologische Umbildung nach 'Arm' und 'Brust' aus dem mittellateinischen arbalista entstand. Dieses Wort wiederrum geht auf das lateinische arcuballista zurück. Diese war im Altertum eine Bogenschleuder, die als Handwaffe getragen oder auf Rädern fortbewegt werden konnte. Zwischen dem 5. und 10. Jahrhundert geriet die Armbrust in Mitteleuropa in Vergessenheit. Die Kreuzritter hatten mit dieser Waffe äußerst schmerzliche Erfahrungen gemacht. Mit der Armbrust konnten Bolzen, Pfeile sowie Stein- und Bleikugeln abgeschossen werden. Da Bolzen und Pfeile Rüstungen durchschlugen, war die Armbrust bei den Rittern verpönt. Die Tatsache, dass einfache Fußsoldaten mit Hilfe der Armbrust Ritter vom Pferd holen und besiegen konnten, scheint die massiven Vorbehalte der Ritterschaft gegen diese Waffe geschürt zu haben. Trotz der bekannten Vorteile war die Armbrust bei den Rittern als unhöfisch und heimtückisch geächtet. Die schlachtentscheidende Bedeutung der Armbrust- und Bogenschützen war schon bei der Eroberung Englands durch die Normannen (1066) offenbar geworden. Armbrust sowie Pfeil und Bogen (Waffe) kommen in der höfischen Dichtung nur dort vor, wo eine unritterliche Kampfweise geschildert wird, so etwa im Parzival des Wolfram von Eschenbach. Als die Kirchenleitung Partei für ihre adligen Standesgenossen ergriff und die Armbrüste verbot, ging es wohl weniger darum, eine gefährliche Waffe moralisch zu verwerfen, als vielmehr darum, sie dem gemeinen Volk aus der Hand zu nehmen. Die Verwendung der Armbrust in Kriegssituationen wurde im Jahr 1139 auf dem Zweiten Lateranischen Konzil unter Strafe gestellt: "Wir verbieten weiterhin unter Androhung des Bannfluchs, dass die tödliche und Gott widerwärtige Kunst der Armbrustschützen und Bogenschützen gegen Christen und Gläubige angewandt wird". Interessanterweise gab es zwischen 1138 und 1143 keinen einhellig gewählten Papst, wer Urheber dieser Weisung war, bleibt somit im Dunkeln. Verdrängen ließ sich die vorteilhafte Waffe aber trotzdem nicht. Beim Fußvolk erfreuten sich Armbrüste großer Beliebtheit, weil sie handlicher waren als Pfeil und Bogen (Waffe) und auch auf engstem Raum eingesetzt werden konnten. Zudem ließ sich mit ihnen besser zielen und treffen. Vor allem für die Verteidiger einer Burg, die auf den Wällen und Wehrgängen wenige Platz hatten, waren Armbrüste eine ideale Waffe. Erst im15./16. Jahrhundert wurde die Armbrust allmählich durch die Feuerwaffen verdrängt. Offiziell schaffte Kaiser Maximilian (1486-1519), der letzte Ritter, im Jahr 1507 die Armbrust als Kriegswaffe ab. Im Mittelalter waren verschiedene Arten von Armbrüsten bekannt, deren Bezeichnung sich zumeist auf die Vorrichtung des Spannens bezog. Es gab die Hakenarmbrust, die Winden- und Zahnradarmbrust, die Geißfussarmbrust und Wippe. In ganz Europa verschossen die Armbrustschützen ähnliche Bolzen. Sie hatten eine rhmobische Form und waren zur Stabilisierung der Flugbahn mit zwei Federn aus Holz oder Leder ausgestattet. Der Bolzen bestand aus einem hölzernen Schaft mit Eisenspitze oder war ganz aus Metall gefertigt. Die Durchschlagkraft war nach je nach verwendetem Bolzen und Gerät enorm. Das besonders scharfe Eisen des sog. Harnischbolzens war in der Lage, auf kurze Entfernung jede Körperrüstung zu durchdringen. Die Bolzen wurden in Köchertaschen aufbewahrt und getragen. Jagdbolzen gab es in verschiedenen Ausführungen, auch als stumpfe Kolbenbolzen, die das Tier töteten, aber nicht verletzten. Die wirkungsvolle Kampfentfernung betrug für Armbrustbolzen 30 bis 100 Meter. Bei der Halbrüstung lag die maximale Schußweite bei 330 Meter. Die Rüstung erreichte über 400 Meter. Mit der Armbrust, die im Durchschnitt 8 kg wog und eine höhere Durchschlagkraft als der Pfeil aufwies, konnte ein geübter Schütze sein Ziel auf 100 m Entfernung sicher treffen und pro Minute 1 - 2 schwere Eisenbolzen abschießen. In dieser Zeit konnte ein Bogenschütze 6 Pfeile verschießen.