Pfalz
Unter einer Pfalz (von lat. palatium= Palast) versteht man die im Früh- und Hochmittelalter entstandenen, burgähnlichen Stützpunkte für den herumreisenden König, der nicht von einer Hauptstadt aus regieren konnte, sondern möglichst immer „vor Ort“ sein und persönlichen Kontakt zu seinen Vasallen halten musste. Da sie vom König in seiner Eigenschaft als Herrscher des Heiligen Römischen Reiches gebaut und genutzt wurden, ist ihre historisch korrekte Bezeichnung Königspfalz. Die Bezeichnung Kaiserpfalz ist eine Benennung des 19. Jahrhunderts, die übersieht, dass im mittelalterlichen Deutschland Staatsoberhaupt der König war, der erst nach einer zusätzlichen Krönung durch den Papst den Titel eines Römischen Kaisers trug. Pfalzen bestanden in erster Linie aus großen Gutshöfen, die Verpflegung und Unterkunftsmöglichkeiten für den König, sein zahlreiches Gefolge, das oft Hunderte von Personen umfasste, und für weitere zahlreiche Gäste und ihre Pferde boten. Auf lateinisch hießen diese Königshöfe „villa regia“ oder „curtis regia“. Sie befanden sich entweder bei Bischofssitzen, bei großen Klöstern, bei noch verbliebenen städtischen Resten oder auf freiem Land inmitten von Königsgut. Eine Pfalz bestand zumindest aus dem Palas (lat. palas), Pfalzkapelle und einem Gutshof. Die Könige und Kaiser hielten dort ihre Amtshandlungen ab, Hoftage fanden statt und hohe kirchliche Feste wurden hier gefeiert. Die Pfalzen, die die Herrscher besuchten, wechselten je nach Ausrichtung der Kaiser. Besonders wichtig waren die Pfalzen, in denen die Kaiser den Winter verbrachten (Winterpfalzen) und die Festtagspfalzen, wobei das Osterfest das wichtigste Fest darstellte (Osterpfalzen). Größere Pfalzen lagen oft in Städten, die Sonderrechte (z. B. Reichsfreiheit) hatten, konnten aber auch Bischofssitze oder Reichsklöster sein. In der staufischen Epoche des römisch-deutschen Königreichs haben auch bedeutende Reichsfürsten begonnen, ihre Machtansprüche durch den Bau von Pfalzen zu demonstrieren. Wichtige Beispiele hierfür sind die Burg Dankwarderode in Braunschweig und die Wartburg oberhalb von Eisenach. Beide Bauten folgen dem grundlegenden Aufbau staufischer Pfalzen und haben auch deren Ausmaße.