3.06.14 09:00 Alter: 3  Jahre

Historisch Gewandete in alten Mauern

Von: Martin Roos - Artikel im Main-Echo vom 03.06.2014

Burgfest: Wildensteiner Veranstaltung zieht Hunderte von Besucher an - Dokumentation der Grabung überreicht

Wildenstein

Der Geist der Burg Wildenstein dürfte in den vergangenen Tagen ziemlich unruhig geschlafen haben. Grund war das Burgfest, das die Burgfreunde Wildenstein am Wochenende zum siebten Mal veranstaltet haben.

(c) Martin Roos

Mittelalterliche Metallberufe wie der Schmied waren hauptsächlich für das Herstellen von Rüstungen zuständig. Foto: Martin Roos

Am Samstag eröffnete Burgfreunde-Vorsitzender Frank Kind gemeinsam mit dem 25 Mann starken bayerischen Dragonerregiment Johann Wolf das Fest. Bläser ließen ihre Jagdhörner erklingen, während die Böller der Schützen durch den Wald hallten. Zahlreiche Gewandete flanierten, und an den Ständen gab es Leder, Felle, Stoffe, Schwerter, Steine, Met und Gebratenes. Für die Jüngsten war beim Bogenschießen mit den Kelten für Kurzweil gesorgt. Zu sehen gab es Schmiede, Feuerstellen und Zeltlager. An mittelalterliche Badesitten erinnerte der Zuber von Danny und Britt Dannewitz aus Langsdorf.

Gäste aus dem Odenwald

»Uns gefällt das Ambiente hier«, meinte eine Familie aus Aschaffenburg, die mit dem Kinderwagen unterwegs war. Begeistert von der Burg zeigte sich auch ein rüstiges Rentnerehepaar, das aus dem Odenwald angereist war.

Christine Reichert vom Archäologischen Spessartprojekt überreichte Frank Kind am Sonntag drei prall gefüllte Aktenordner mit der Dokumentation der 16-wöchigen Grabung. Dokumentation und Grabung hat die Burgfreunde 24 000 Euro gekostet. »Mit den Erkenntnissen aus der Grabungsdokumentation wurden alle Erwartungen übertroffen«, betonte der Vorsitzende. Die Ausgrabungen ließen sieben Bauphasen erkennen, von denen die früheste noch nicht eindeutig datiert werden könne. Neben Spuren von Kämpfen fand man jede Menge Zeugnisse des täglichen Lebens. Als einzigartig für die Region bezeichnete Kind die im Keller entdeckten Gefäße, in denen junge Mütter die Nachgeburt bestattet haben, um sich vor dem Zugriff von Hexen zu bewahren und die Neugeborenen zu schützen.

Die archäologische Untersuchung des Kellers war notwendig geworden, um Informationen über die Statik zu bekommen, was für die anstehende Sanierung wichtig ist. Wie sich herausstellte, wurde das Gewölbe erst später eingebaut, wohl nachdem eine zuerst vorhandene Holzbalkendecke nicht mehr standfest war.

Die Burgfreunde agieren seit 1997. Der Erlös der Feste sichert den Erhalt und die Sanierung der Anlage. Umrahmt wurde die Veranstaltung von mittelalterlicher Musik mit den Füchsen.
Martin Roos