27.09.07 10:00 Alter: 13  Jahre

Turmsanierung

Von: Martin Bachmann

Der Wildensteiner Turm ist »entrüstet«

Burgfreunde sanieren in jahrelanger »Fronarbeit« das markante Bauwerk auf der Ruine über dem Eschauer Ortsteil

Eschau-Wildenstein. Das Gerüst ist abgebaut. Der Turm in der Ruine Wildenstein präsentiert sich seit einigen Tagen in seiner ganzen Pracht. Vier Jahre haben die Burgfreunde wahre Fronarbeit geleistet, haben ehrenamtlich gemauert und verfugt. Der nächste Arbeitsschritt ist schon geplant: Das markante Bauwerk hoch über dem Eschauer Ortsteil soll für Besucher zugänglich gemacht werden.

»Der Turm ist außergewöhnlich«, sagt Frank Kind, Vorsitzender der Wildensteinder Burgfreunde. Er weise zwar weder herausragende Stilelemente auf, noch sei ihm eine historisch bedeutende Rolle zuteil geworden, doch seine Baugeschichte sei einmalig. Das Alter des Turms lässt sich nicht mehr genau datieren, gefundene Holzreste reichten für eine dendrochronologische Altersbestimmung nicht aus. Kind schätzt, dass das Bauwerk vergleichsweise jung ist und wohl gegen Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts aus den Resten eines anderen Gebäudes erbaut wurde. Zahlreiche wiederverwendete Steine, so genannte Spolien, seien vermauert.

Strategischen Wert hatte der Turm allenfalls, indem er an Stelle eines Wehrerkers, dessen Reste im Turm noch zu sehen sind, das Tor zur Kernburg schützen sollte. Als Bergfried viel zu klein und als Ausguck zu niedrig, da er kaum über die mächtigen Schildmauern ragt, sei er wohl auch als Statussymbol – vielleicht vom damaligen Burgamtmann Rüdt von Collenberg – in Auftrag gegeben worden, vermutet Kind.

Seit Dezember 2003 ist der Turm komplett eingerüstet. Finanzierbar sei dies nur, weil Burgfreund Udo Berlieb eine Gerüstbaufirma in Heimbuchenthal besitzt, betont Vorsitzender Kind. Zuvor habe das Burgenforschungsbüro Zeune eine Expertise über die Baugeschichte erstellt, mit der beim Landesamt für Denkmalpflege die Genehmigung für die Sanierungsaktion eingeholt worden sei.

Zunächst wurde der Schutt aus dem Bauwerk geräumt. Die Reste des Wehrerkers kamen zum Vorschein, und es zeigte sich, dass der untere Teil des Turms auf etwa vier Metern Höhe ein massiv gemauerter Block aus Sandsteinen ist. Ein großer Eisenanker zwischen zwei Fenster gespannt hielt das Bauwerk zusammen. Im Inneren wurde ein weiteres Gerüst gestellt und bröckelndes Mauerwerk entfernt.

Laut Gutachten von Dr. Zeune wurden die oberen eineinhalb Meter erst um die Jahrhundertwende aufgemauert, so dass ungewiss bleibt, wie der Turm ursprünglich aussah. Hatte er noch einen Fachwerkstock oder wie die meisten Türme seiner Zeit als Schießscharten ausgebildete Zinnen und ein Pyramidendach?

Bei der Sanierung wurden überhängende Mauerteile abgestützt, fehlende Krag- und Gewändesteine erneuert. Der große Riss an der Vorderseite wurde wieder geschlossen, ein mächtiger Stahlanker mit Spannschloss eingezogen und jede Fuge mit Mörtel ausgeworfen, um das Mauerwerk zu stabilisieren. Der alte Eisenanker wurde von Hans Georg Jost wieder entfernt. Sein Großvater hatte ihn um die Jahrhundertwende eingebaut und den Turm damit wohl vor dem völligen Verfall bewahrt.

Tausende von Stunden haben die Mitglieder des Vereins Burgfreunde in das Sanierungsprojekt investiert. Nun wollen sie den Turm auch wieder begehbar machen. Die Holzdecken sind bereits eingezogen, die oberste ist abgedichtet und schützt den Turm vor Regenwasser. Noch fehlen die Treppen im Innern. Der Zugang soll über eine überdachte Außentreppe über den »ersten Stock« des Turms erfolgen.

Vorsitzender Frank Kind dankt allen, die die Burgfreunde Wildenstein mit Rat, Tat und Material unterstützt haben. Am Samstag, 24. November, lädt der Verein zum Lakefleischessen an der Burg und zur Turmbesichtigung ein. Groß gefeiert wird dann beim Burgfest im kommenden Jahr, wenn am 24. und 25. Mai auch wieder fahrendes Volk Leben in die alten Burgmauern bringt.

Martin Bachmann

Quelle: Main-Echo vom 27.09.2007

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