Vortrag am 2. März 2012, 19.30 Uhr in der Elsavahalle Eschau, Rathausstraße 11 in 63863 Eschau. Der Eintritt ist frei.

Mit der Burg Wildenstein bei Eschau hat sich eines der größten und zugleich interessantesten Zeugnisse des Mittelalters im Spessart erhalten. Weitgehend unbeeinträchtigt von späteren Über- und Ausbauten gibt sie uns einen Eindruck von der Funktion einer hochmittelalterlichen Wehranlage. Die Burg in ihrer jetzigen Form verdankt ihr Aussehen dem Ausbau im Konflikt zwischen dem Grafen von Rieneck und dem Erzbischof von Mainz. Anlass für ihre Errichtung bot die kontinuierliche Erweiterung des Einflussgebietes der Grafen von Rieneck nach Westen bis vor die Tore Aschaffenburgs.

Mit den Ausgrabungen im Bereich des Pallas, des repräsentativen Versammlungs- und Wohnhauses der Burg, konnten im Jahre 2011 zahlreiche neue Erkenntnisse über die Ursprünge und über die Funktion dieser Anlage gewonnen werden. Die Grabungen der Burgfreunde Wildenstein fanden in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Spessartprojekt – Institut an der Universität Würzburg statt. Eine Förderung erfolgte durch die Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken. In knapp drei Monaten untersuchte ein Team von fünf Archäologen den Pallas und einen westlich daran anschließenden Raum.

 




Bislang standen uns zur Entschlüsselung der Geschichte der Burg Wildenstein lediglich die überlieferten Schriftquellen zur Verfügung. Durch eine detaillierte Untersuchung des „Tatorts“ Burg kamen zahlreiche neue Fakten hinzu, die unser Wissen über das Wohl und Wehe der Anlage erheblich präzisieren. Der in den Ruinen wiederentdeckte, jahrhundertealte Müll steht am Beginn einer Spurensuche, die uns den Alltag auf der Burg vor Augen führt. Mithilfe der Archäologie erfahren wir mehr über die Menschen, die dieses Bauwerk schufen und in ihm wohnten. Ihre Geschichte erzählen Sie uns mit ihren Hinterlassenschaften. Dazu zählen im Keller des Pallas vergrabene Nachgeburtstöpfe ebenso wie ein in Stein gehauenes Portrait des Burgherren, die Reste eines Kettenhemds oder vergleichsweise unscheinbare Scherben eines Kochtopfs aus dem 12. Jahrhundert. Pflaster, Mauerzüge, Wandnischen und Fundamente zeigen, wie man bis ins 17. Jahrhundert bemüht war, die Anlage funktionsfähig zu halten.

Im Rahmen seines Vortrags wird Harald Rosmanitz vom Archäologischen Spessartprojekt die ersten Ergebnisse der Grabungsauswertung vorstellen. Darüber hinaus ist die Anlage auch im überregionalen Zusammenhang neu zu bewerten. Jetzt erst wird klar, dass die Burg Wildenstein einen der Eckpfeiler der Expansionspolitik der Rienecker bildete. Weit im Südwesten des eigenen Territoriums errichtet man eine Anlage, die in ihrer Bebauung dem Stammsitz des Grafengeschlechts, der Burg Rieneck, in vielen Teilen entsprach.





Letztes Update: 05.03.2012